Die Bilder der Ausstellung

Die Ausstellung „Dass ich da steh und weine“ wurde zum ersten mal im Solinger Rathaus gezeigt.

Vernissage 03. Juni 2016, 16.00 Uhr

Der Oberbürgermeister der Stadt Solingen Tim Kurzbach eröffnete die Ausstellung zum Thema Krieg, Flucht und Ankommen, die in Zusammenarbeit mit der Künstlervereinigung Motus 4 Langenfeld und Flüchtlingen aus Syrien, dem Iran und Nigeria entstanden ist.

Im Frühjahr 2018 wurde die Ausstellung im Rathaus Wuppertal und im Herbst in der Fachhochschule HAN: Arnhem und Nijmegen an Standort Nijmegen.



 



 














Das Opfer

Das Opfer

Gandhi sagte einmal:
Du kannst mich in Ketten legen,
Du kannst mich foltern,
Du kannst sogar diesen Körper zerstören,
aber Du wirst niemals meinen Geist einsperren können.

Im erstem Moment sehen wir in dieser Skulptur ein Opfer.
Ich habe jemanden dargestellt, der sich mit erhobenen Händen kniend seinem Schicksal ergibt.
Wir kennen alle diese Bilder. Immer sind es die Herrschenden, die so mit den Beherrschten umgehen.
Dieses Opfer, dieser Jemand, der jeder von uns sein könnte, hat berechtigte Angst. Und doch sehen wir, er versucht mit einem Auge seines geschundenen Körpers in die Ferne zu blicken.
Ich zeige damit den letzten Versuch, den er unternimmt, seine Freiheit, seine Würde und den unbändigen Willen seines Geistes zu offenbaren.

Er, vor dem die Herrschenden Angst haben.
Er, der sich als Schwarzer in einem Bus mit Rassentrennung ganz nach vorne setzt.
Er, der in Freiheit leben will und dafür demonstriert.
Er, der als erster Farbiger eine weiße Schule besucht.
Er, der seinen Befehl verweigert, Kinder, Frauen und Männer zu töten, nur weil sie anders aussehen oder anders denken.
Er, der nicht aufhört, die Armut und die Not seines Volkes zu bekämpfen.
Er, der die Liebe zu den Menschen bringt, ohne etwa dafür zu verlangen.
Er, der deswegen auf einer Todesliste steht, weil er menschlich ist.

Jeder von uns, der seine Hand zur Hilfe ausstreckt statt wegzusehen, jeder der zu lächeln vermag, wenn er einem Fremden in die Augen schaut, jeder, der mit wachem Geist die Welt beobachtet und sich auch vor den Schwächeren in seinem Umfeld stellt, statt nach ihm zu treten,

ist wie er.

Und es gibt so viele wie ihn, so unendlich viele, man braucht keine Angst zu haben.

Denn Angst frisst die Seele auf. Dann schließen wir die Augen, sehen und hören nichts mehr, der wache Geist kapselt sich ab und wir werden ….

OPFER

Gerd Boes, 2017